Einem
stets nörgelnden Griesgram wie Walter Matthau einen direkten Angriff auf das deutsche
Zwerchfell zu gewähren ... das geht natürlich nur über den direkten Weg über das
Mittelohr. In seiner langjährigen Karriere hatte das Hollywood-Raubein zwei feste
Stimmen, die hier einmal näher vorgestellt werden.
Martin Hirthe
(13. Februar 1921 - 9. August 1981)
Disney-Sprechrollen :
Colonel Hathi - Das Dschungelbuch Sheriff von Nottingham - Robin Hood
weitere Zeichentrick-Sprechrollen (Auswahl) :
Bläuheit - Yellow Submarine
Mit seiner scharfen und dabei äußerst flinken Zunge veredelte er schon so manchen fiesen Charakter, sei es Lee Marvin, Raymond Burr (Der Chef), Orson Welles oder auch mal Telly Savallas. Doch eine direkt kaum zu ortende Ironie in der Stimme ließ den Charaktere stets auch Freiraum für ihre heitere Komponente. Bis ins Mark ausgereizt hat Hirthe dieses Talent neben Walther Matthau natürlich auch bei Bud Spencer, dessen Rollen er sich mit seinem stimmenverwandten Kollegen Wolfgang Hess teilte.
Martin Hirthe kam in Berlin-Spandau zur Welt, doch die Ingenieurtätigkeit seines Vaters erforderte einen Umzug in die Schweiz, wo Hirthe nach seinem erfolgreichen Abitur zunächst in die Fußstapfen seines Erzeugers zu treten schien. Von einer plötzlichen Leidenschaft beflügelt besuchte er dann jedoch die Schauspielschule. Mit diversen Engagements in der Schweiz, Österreich und Deutschland stieß er sich die Hörner ab, bis er von Boleslaw Barlog in die Staatlichen Schauspielbühnen nach Berlin zurück gelockt wurde. Hier festigte er sich seinen Ruf als exzellenter Theatermime und schaffte es in den 7oer Jahren sogar in die Münchner Kammerspiele. Langjähriger Weggefährte Hirthes war stets Arnold Marquis. Nach einigen Rollen in Fernsehspielen wurde er als SFB Tatort Kommisar einem breiten Publikum bekannt.
Wolfgang Völz
(geb.: 16. August 1930)
Disney-Sprechrollen :
Danny - 101 Dalmatiner (2. Synchro)
weitere Zeichentrick-Sprechrollen (Auswahl) :
Bürgermeister - Lucky Luke: Daisy Town
Wolfgang Völz ist eine der wenigen großen klassischen Stimmen der deutschen Synchronbranche, die sich (zum Glück) noch bester Gesundheit erfreuen, mag der ein oder andere auch meinen, dass sich sein knuddeliges Knartz-Organ bisweilen schon selbst überlebt hat und so manches mal ein wenig zu häufig zu hören ist und war...
Völz wurde in Danzig geboren und lebte sozusagen Tür an Tür mit der Familie des Schauspielers Eddi Arent. Auch später sollten sie noch so manches mal gemeinsam zusammen kommen. Wolfgang Völz ging zunächst in eine Bäckerlehre, nahm anschließend in Hannover Schauspielunterricht und lernte danach bei Theodor Becker und Max Gaede. 1950 debütierte Völz als "Page" in Schillers Don Carlos am Landestheater Hannover und drehte in den 50ern auch schon neben Stars wie Hans Albers oder Gert Fröbe Kinofilme. In den 1950ern wurde er als Monty Arnold in der Raumpatroullie Orion über Nacht zum Publikumsliebling. Die Serie strotzte nur so vor Schauspielern, die sich auch im Synchrongewerbe breit gemacht hatten. Allen voran Wolfgangs enger Freund Dietmar Schönherr, die Stimme von James Dean. Auch "Crewmitglieder" Eva Pflug und Friedrich Georg Beckhaus sind alte Sprachhasen. Ab 1954 war Völz auch eine zeitlang Mitglied bei der Kabarett-Truppe der hier schon öfter erwähnten Berliner Stachelschweine. Außer Auftritten in den Kriminalserien Stahlnetz und Das Kriminalmuseum sowie in Edgar Wallace-Filmen folgten 1967 78 Folgen der Fernsehserie Graf Yoster gibt sich die Ehre, eine seiner größten Erfolge in einer langen Reihe von Serienauftritten. Neben etlichen weiteren Film- und Theaterrollen wirkte er in einem der ersten AIDS Aufklärungsspots mit. Heute reist er ständig zwischen München, Hamburg und seinem eigentlichen Wohnsitz Berlin hin und her, um seinen schauspielerischen wie synchrontechnischen Verpflichtungen nachzukommen.
Während Schönherr ihn als deutsche Antwort auf Walther
Matthau sieht, ist Völz bis heute nicht von seinem eigenen Talent überzeugt. Von seinen
vielen Serien hat Völz einmal gesagt: "Ich habe an die 600 Fernsehrollen gespielt.
Es war immer die gleiche Grütze." Er sieht sich als "aller erster Mann der 2.
Klasse". Erstklassig finden ihn jedenfalls Jung und Alt in seiner unsterblichen Rolle
der Walter Moers Figur Käptn Blaubär, wo er nun
neben seiner brummigen Altherrenstimme auch endlich seinen schwer erworbenen nordischen
Dialekt zum Besten geben darf. 1998 erhielt Wolfgang Völz dafür den Münchhausen-Preis.
Mit der Ex-Tänzerin Roswitha Völz, die er bei Dreharbeiten zur Raumpatroullie
kennen gelernt hatte, ist er noch immer glücklich verheiratet. Seine beiden Kinder
Benjamin (Akte X Mulder) und Rebecca (Dirty Dancing - Baby Houseman) taten es in Sachen
Synchronisation ihrem Vater nach.
Ach ja und dann war da noch:
Friedrich Georg Beckhaus, der auch hier und da schon mal in Disneys Dienste trat (z.B. als Ebenizer Scrooge in Mickey's Weihnachtsgeschichte). Erinnert sich noch jemand an die alte Anime-Serie Captain Future aus den schönen 80er Jahren ? Auch da saßen Völz und Beckhaus als Otto und Greg noch einmal im Raumschiff Cockpit nebeneinander und brummten sich immer wieder gegenseitig an. Berufserfahrung macht sich eben bezahlt !!!
- Wer Matthau sagt, der sagt natürlich auch Jack Lemmon, aber das steht auf einer anderen Seite .....
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